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Wie eine Tageszeitung mir zu meiner ersten Eigentumswohnung verhalf!

Wie eine Tageszeitung mir zu meiner ersten Eigentumswohnung verhalf!

 

 

 

Im Sommer 2014 war ich mal wieder auf dem Weg in meine 2. Heimat, auf die Insel Amrum. Die Überfahrt mit der Fähre vertrieb ich mir mit dem Stöbern nach Eigentumswohnungen. Ich war neugierig, ob gerade auf Amrum Wohnungen verkauft wurden und wenn ja, wo diese liegen und was sie kosten. Das ständige Pendeln auf die Insel war ich leid und so träumte ich immer öfter von einem eigenen Nest, in dem ich länger bleiben und genießen konnte. Da meine Großeltern auf Amrum lebten, bin ich tief mit dieser Insel verbunden und spürte einen immer stärker werdenden Drang,  dort endlich Wurzeln zu schlagen.

 

Wie der Zufall es an diesem Tag wollte, fand ich beim Stöbern eine „ins Raster passende“ Wohnung. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich viele Vorstellungen im Kopf, was meine zukünftige Bleibe alles mitbringen musste. Eins wusste ich aber: auf Amrum eine bezahlbare Wohnung zum Kauf zu finden, glich einem 6-er im Lotto.

 

Diese Wohnung lag zu meiner Freude in dem Ort, wo auch meine Großeltern früher lebten. Die hiesige Sparkasse vermakelte sie und ich bat spontan um einen Besichtigungstermin. In der gleichen Woche noch, habe ich die Wohnung dann angeschaut und für mehr als gut befunden.  Ich hatte keine wie gesagt keine Ahnung von Wohnungen als Kaufobjekt, geschweige denn, als was sie für eine Kapitalanlage mitbringen muss. Trotzdem war tief in mir ein starker  Antreiber, der mir das Gefühl gab, dass ich alles richtig mache.

 

Der Preis, den sie Sparkasse aufrief, lag bei 145.000 € und somit im absolut fairen Bereich für die damaligen Verhältnisse. Bekommen hätte ich für diesen Betrag eine solide und gut geschnittene 2-Zi. Wohnung mit Meerblick.

 

Völlig euphorisch fuhr ich zurück nach Hause und erzählte meinem Mann von der Wohnung. Schnell war klar, dass er noch nicht so weit war wie ich und vor allem, völlig andere Träume hatte. Er nannte mir nach meinen Erzählungen zur Wohnung diverse Argumente, die gegen einen Kauf sprachen. Ich nahm seine Argumente natürlich ernst und zudem war da auch eine eigene und sehr laute Stimme im Kopf, die sagte: „Das können wir uns doch gar nicht leisten.“ Oder: „Was passiert, wenn mit der Wohnung etwas nicht stimmt oder der Makler uns bescheißen will?“

 

Und so, ihr ahnt es sicher, kaufte ich/kauften wir die Wohnung nicht.

 

Ziemlich genau 2 Jahre später hat sich mein Wunsch nach einer Wohnung auf Amrum nochmals enorm hochgeschraubt. Mein Mann und ich waren nun in der Theorie deutlich informierter, was Immobilienkäufe, Finanzierungen und vermeintliche Risiken hierbei betraf.

 

Da ich nicht wirklich wusste, wie ich an eine der sehr seltenen zu verkaufenden Wohnungen auf Amrum rankommen konnte und der Markt gerade wie leergefegt war, fragte ich einen Amrumer Hausverwalter um Rat. Seine kurze und knappe Antwort war: „Setzen Sie doch ein Wohnungsgesuch in die hiesige Tageszeitung“.

 

Meine Reaktion darauf war ein anständiges Stirnrunzeln, gepaart mit einem großen Stück Skepsis. Ich dachte:  „Wer schaut denn heute noch in die Zeitung und vor allem, wer sucht dort jemanden, der eine Wohnung kaufen möchte?“

 

Egal, ich befolgte seinen Rat und stellte ein Wohnungsgesuch für zwei Ausgaben der Föhr-Amrumer Tageszeitung ein. Eine andere Idee hatte ich eh nicht im Gepäck und so konnte ich zumindest etwas tun.

 

Die Anzeige ging dann in den Druck und lautete wie folgt:

 

„Junges Ehepaar mit Amrumer Wurzeln sucht zum Kauf und Zweck der Eigennutzung / Ferienvermietung eine Eigentumswohnung bis 150.000 € auf Amrum.“

 

Nachdem die erste von zwei Ausgaben, in denen mein Gesuch erschien herauskam, klingelte an einem Sonntagmorgen tatsächlich  das Telefon bei mir. Eine freundliche ältere Dame war am Apparat und gab an, gerade beim Frühstück über meine Anzeige „gestolpert“ zu sein.

 

Sie hätte eine Wohnung, die sie gerne verkaufen möchte und bat mir einen Termin zur Besichtigung an. Mit meinem Mann im Schlepp ging es also mal wieder nach Amrum. Ziel war eine 2-Zimmer Eigentumswohnung mit Meerblick. Viel mehr Eckdaten hatten wir vorerst nicht.

 

Als wir an der Adresse ankamen, empfing uns ein älteres Ehepaar, es handelte sich um die Verkäufer. Völlig erstaunt stellte ich bereits bei der Begrüßung fest, dass die Wohnung, die wir nun besichtigten würden, genau gegenüber der Wohnung lag, die ich zwei Jahre zuvor besichtigt hatte und gerne gekauft hätte.

 

Und auch die Wohnung des älteren Ehepaars überzeugte mich sofort und zum Glück auch meinen Mann.

 

Nachdem wir dann freundlicherweise 1 Woche „zur Probe“ wohnen durften, um unsere Unsicherheit weiter runter zu schrauben, stand unser Entschluss fest: diese Wohnung sollte es sein. Wir hatten ein super Bauchgefühl und die Finanzierung war ebenfalls kein Problem.

 

Die Verkäufer schlugen ein und so kauften wir ein halbes Jahr später beim Notar in Husum unsere erste Eigentumswohnung als Kapitalanlage.

 

Bei der Wohnung handelt es sich um meinen heute liebevoll genannten „Goldesel“, die „Wattstube“. Die Wohnung läuft seit einer Sanierung als Ferienunterkunft und erzielt unglaubliche Vermietungszahlen. Wir haben eine 4 **** Auszeichnung vom Deutschen Tourismus Verband erhalten und sind unglaublich stolz.

 

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, bin ich noch heute froh, dass ich damals dran geblieben bin und meinen Mann immer und immer wieder nervte, was das Thema „Wohnung auf Amrum“ anging.

 

Als kleinen Bonschi zum Schluß: die baugleiche Wohnung von gegenüber, die ich mir im Jahr 2014 spontan und alleine angeschaut hatte, die gehört uns heute übrigens auch. Wir haben Sie im Jahr 2016 vom Eigentümer gekauft (die Sparkasse war als Makler zum Glück raus). Das Lehrgeld für das Zögern im Jahr 2014 war dann allerdings ein deutlich höherer Kaufpreis von 30.000 €!

 

Fazit:

 

-Es gibt verschiedene und zudem sehr verrückte Wege, um an eine Eigentumswohnung zu gelangen.

 

- Angst ist ein schlechter (und manchmal teurer) Berater

 

Habt einen produktiven Tag!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Björn (Freitag, 10 Mai 2019 20:45)

    Super schöne Geschichte.

    Auf welchen Wegen man an Wohnungen kommen kann. War, dass der einzige Anruf den du bekommen hast?

    Viele Grüße

    Björn

  • #2

    Mrs. Goldesel (Samstag, 11 Mai 2019 08:37)

    Moin Björn! Danke für Dein Feedback. Nein, es ist tatsächlich bei dem einen Anruf geblieben. Verrückt, oder? Hier sieht man wieder, dass sich Ausprobieren und "sich trauen" immer lohnt, wenn dadurch nämlich die eine richtige Person reagiert!